Offener Brief an die Stadt Berlin

Toilettenanlage beim Tag der offenen Tür
Potsdamer Platz (Berlin)

Letzten Sonntag (21.08.) war ich wegen eines Dates mit der DAH in Berlin. In der Nähe des Potsdamer Platzes war mein Hotel, bis zur Zimmerübergabe noch ein wenig Zeit – Zeit für einen Rundgang.

Der Potsdamer Platz hielt einige nette Aktionen bereit, die zum Verweilen einluden. Und so blieb es nicht aus, dass sich auch die Anatomie des Körpers meldete: Zeit für das stille Örtchen, auf dem es auch schon mal recht laut werden kann.

Vor der Toilettenanlage angekommen, erspähte ich das gewohnte Bild: | M | W |. Mehr war da nicht. Aus nachvollziehbaren Gründen, die ich jetzt hier nicht anführen möchte, steuerte ich als Trans* die für mich bestimmte Toilette mit dem | W |an. Es kam wie es in 90 % der Fälle kommt, heteronormatives testosterongesteuertes Wertebild/Weltbild baut sich vor mir auf und ist der Meinung, dass für mich die Herrentoilette gedacht ist.

Ich wäre nicht ich, würde ich der Aufforderung Folge leisten, bin dennoch sehr nett geblieben. Ich verwies auf das w/d/m (heute muss sich das „m“ hinten anstellen) und dass es eben nur zwei Toilettenbereiche gibt – weiblich und männlich. Also obliegt es mir, wo ich mich aufgehoben fühle. Es folgte das Argument, was wir auch aus der derzeitigen Debatte des anstehenden Selbstbestimmungsgesetzes kennen: „Aber wenn die Frauen sich dabei unwohl fühlen?“

Ich beende jetzt hier den Dialog. Ich habe den Menschen nur wissen lassen, wenn das ihm und den vielleicht eintreffenden cis-Frauen gegen den Strich geht, hat er andere Möglichkeiten den Missstand anzuprangern. Meine Wenigkeit ist definitiv die falsche Adresse.

Nun die Frage an die Stadt Berlin (Landesstelle für Gleichbehandlung):

Warum werden in BERLIN sogar auf mobilen Toilettenanlagen weiterhin nur zwei Geschlechter aufgeführt? Ich dachte, Berlin wäre bunt, steht für Akzeptanz und Vielfalt – man hört aber hier und da was anderes. Warum wird das Personal nicht einem Bildungsupdate unterzogen, denn meistens kommen jene mit ihrem heteronormativen Wertebild zum Einsatzort, das ihnen irgendwann mitgegeben wurde. Wer muss es ausbaden? Nicht die Verwaltung, nicht das beauftragte Unternehmen, nicht das Personal, sondern queeres Völkchen, was mal dringend auf Toilette muss.

Ich komme aus Hanau (derzeitig dort mit Wohnsitz). Hier in Hanau ist es so, man malt lieber Tiefgaragenwände in Regenbogenfarben an, als dass man aktiv die Gesetzgebung umsetzt. Auch hier üble Diskriminierung vor dem stillen Örtchen. Die Handelsschule in Hanau will das ändern, die Stadt selbst hat es versprochen, aber wie das so ist:

Eine kleine Schildänderung (z. B. Stehklo / Sitzklo) würde den Gang zur Toilette ohne Diskussionen möglich machen, darüber hinaus wenig Kosten verursachen, aber das zu bohrende Brett „Toiletten“ ist eben megadick.

Gilt auch für Frankfurt mit seinen „gleichgeschlechtlichen Ampelfiguren“. An den Toiletten scheitert die Vielfalt in dieser Gesellschaft. Kann sich wer in der Verwaltung vorstellen, wie das ist?

Freundliche Grüße
Anika Frankenbach

(Zertifizierte psychosoziale Trans*berater:in in Hanau und Queer-Aktivist:in)
(Pronomen: keine (sie/ihr zur besseren Kommunikation))

PS: Könnt auch FLINTA* schreiben = Toilette für alle (machen auch die Aktivist:innen in Frankfurt (AmkA)).


Anmerkung: Unter der Berliner Nummer 115 (Bürgertelefon) bekam ich auf eine sehr freundliche Art Auskunft darüber, welches Amt in Berlin dafür zuständig ist. Wenn ja Welt nur halb so freundlich, nett wäre.

Am Potsdamer Platz selbst gab es sogar einen »Ent« zu sehen … aber darüber mehr an anderer Stelle.

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