2021: Die queere Zukunft hat begonnen

Im Lande der Stagnation ist einiges in Bewegung geraten. Nicht nur das Werbeverbot für Abtreibungen im § 219a steht auf der Kippe, auch das Entgegentreten von Queerfeindlichkeit und die Abschaffung des derzeit noch bestehenden Transsexuellengesetz (TSG) stehen auf der Tagesordnung.

Seit gestern ist er erhältlich, der Koalitionsvertrag zwischen SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen. In diesem Vertrag ist dem queeren Leben ein ganzes Kapitel gewidmet, welches nachfolgend angerissen und am Schluss verlinkt wird.

Queeres Leben in naher Zukunft

Um Queerfeindlichkeit entgegenzuwirken, erarbeiten wir einen ressortübergreifenden Nationalen Aktionsplan für Akzeptanz und Schutz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt und setzen ihn finanziell unterlegt um. Darin unterstützen wir u. a. die Länder bei der Aufklärung an Schulen und in der Jugendarbeit, fördern Angebote für ältere LSBTI und bringen in der Arbeitswelt das Diversity Management voran, insbesondere im Mittelstand und im öffentlichen Dienst.

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld sichern wir dauerhaft im Bundeshaushalt ab. Regenbogenfamilien werden wir in der Familienpolitik stärker verankern. Geschlechtsspezifische und homosexuellenfeindliche Beweggründe werden wir in den Katalog der Strafzumessung des § 46 Abs. 2 StGB explizit aufnehmen. Die Polizeien von Bund und Ländern sollen Hasskriminalität aufgrund des Geschlechts und gegen queere Menschen separat erfassen.

Das Ende des Transsexuellengesetz

Wir werden das Transsexuellengesetz abschaffen und durch ein Selbstbestimmungsgesetz ersetzen.
Dazu gehören ein Verfahren beim Standesamt, das Änderungen des Geschlechtseintrags im Personenstand grundsätzlich per Selbstauskunft möglich macht, ein erweitertes und sanktionsbewehrtes Offenbarungsverbot und eine Stärkung der Aufklärungs- und Beratungsangebote.
Die Kosten geschlechtsangleichender Behandlungen müssen vollständig von der GKV (Gesetzlichen Krankenversicherung) übernommen werden

Wir werden im Gesetz zum Schutz von Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung Umgehungsmöglichkeiten beseitigen.

Siehe auch  IDAHOBIT* 2021: Alles wird gut?

Für Trans- und Inter-Personen, die aufgrund früherer Gesetzgebung von Körperverletzungen oder Zwangsscheidungen betroffen sind, richten wir einen Entschädigungsfonds ein. Wir werden die Strafausnahmen in § 5 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz vor Konversionsbehandlungen aufheben und ein vollständiges Verbot auch von Konversionsbehandlungen an Erwachsenen prüfen. Das Blutspendeverbot für Männer, die Sex mit Männern haben, sowie für Trans-Personen schaffen wir ab, nötigenfalls auch gesetzlich.

Somewhere over the Rainbow

Wir treten dafür ein, dass Regenbogenfamilien und in der EU geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen/Lebenspartnerschaften in allen Mitgliedsstaaten mit allen Rechtsfolgen anerkannt werden. Rechtsakte der EU, die gegen Diskriminierung aufgrund von Rassismus gelten, müssen künftig auch Homophobie und andere Diskriminierung umfassen. Wir werden für queere Verfolgte Asylverfahren überprüfen (z.B. Dolmetscher, Beurteilung der Verfolgungswahrscheinlichkeit bei Rückkehr), Unterbringung sicherer machen und eine besondere Rechtsberatung einrichten.

Queere Ampelkoalition
Beenden nicht nur das menschenverachtende Transsexuellengesetzes (v.l.n.r.):
Christian Lindner (FDP) | Olaf Scholz (SPD)
Annalena Bearbock und Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen)

Nun gilt es, die Vorhaben auch zeitnah umzusetzen – mit den Verbänden.

Koalitionsvertrag

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