Wissen leicht gemacht: Trans*Late

Nein, ein Handbuch zu Transidentität stelle ich Euch nicht vor, aber die 51-seitige Broschüre TRANS*LATE, die vielleicht für den einen oder die andere Antworten zu einigen Fragen parat hält.

Ist Euch was aufgefallen? Richtig. Er sie ist vorhanden, es fehlt. Ich habe jene ausgelassen, die sich nicht durch binäre Pronomen angesprochen fühlen.

TRANS*LATE: Broschüre zu Transidetität

 

Am Anfang steht (das Wort)… der Name und das Pronomen

Da man einem Menschen die Geschlechtsidentität nicht direkt ansehen kann, ist es sehr hilfreich sich bei einer Vorstellung nicht nur mit dem Namen, sondern auch mit dem Pronomen vorzustellen.

In einer der letzten Studien definieren sich knapp ein Viertel der Jugendliche als nonbinär. Das bedeutet: er/ihn und sie/ihr können nicht angewandt werden. Die Broschüre listet nun einige Neo-Pronomen auf, die da wären:
_ a _ em _ dey _ en _ er–sie _ nin _ hen _ sek _ sier _ they _ xier _ x
Mir persönlich ist das für eine nette Unterhaltung ohne Krampf zu kompliziert. Ich nehme dann lieber den Vornamen als das Pronomen, was auch die Broschüre TRANS*LATE vorschlägt.
Das mit dem Pronomen klappt nicht immer, schon gar nicht sofort, aber der Wille zählt. Sprache muss sich entwickeln. 1600 hat man anders gesprochen/geschrieben als 1900, und beide Jahrhunderte unterscheiden sich auch erheblich von der Sprache im Jahr 2021.

Beispiel:

Es bedurfte in Deutschland eines halben Jahrhunderts, bis der Begriff Ausländer weitgehend durch „Einwanderer“ ersetzt wurde. (Ömer Ezeren)

Weitere Jahrzehnte später sind es Immigranten… wieder später Deutsche mit Migrationshintergrund, heute Immigrant:innen oder Deutsch:innen mit Migrationshintergrund wink

Deswegen der Tipp: Nicht immer gleich die gewohnte Social Media-Keule schwingen – zumindest so lange stecken lassen, solange einem keine Gäst:innen auf dem Genderfpad entgegenkommen. wink

Ein Absatz gehört das Thema Drag
Ich persönlich bin kein Fan dieser überkandidelten Männershow, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen. Rühmliche Ausnahme waren Mary & Gordy. Und endlich lese ich es auch mal von anderer Stelle: DRAG ist nicht Transidentität. Das wird hier und da oft durcheinandergebracht – auch unterm Regenbogen, nicht wahr, liebe CSD-Veranstalter?

 

Hilfsmittel

Das dürfte ein Kapitel sein, dem sich Trans* gerne zuwenden.

Frage: Was ist beim Tragen eines Binders zu beachten?
(kaschiert die Brust bei Transmännern)
Höre auf Deinen Körper! Wenn es warm draußen ist, macht es oft Sinn, den Binder nicht die vollen 8-10 Stunden zu tragen

Eine goldene Regel während der Transition: Nur Du weißt wie Du Dich fühlst, wie es Dir geht, ob schmerzfrei oder nicht. Und, Du bist keinem Wettbewerb ausgesetzt und solltest Dich auch keinen aussetzen. Wenn wer meint, sich mit irgendwelchen Maßnahmen zum Welterfolg prahlen zu müssen, lass jene laufen. Es geht um Dich und Deine Gesundheit.
Zurück zur Trans*Late-Broschüre: Für Transmänner werden die verschiedene Packer, Stips & Penisprothesen vorgestellt. Für Transfrauen bleibt u.a. das Schminken, der ewige Kampf gegen den Bartschatten, was letztendlich vergebene Schminkmühe ist. wink

 

Coming-Out

Deadname: Meine queere Schwester hat kürzlich auf meinen Impfausweis meinen alten Namen entdeckt. Wir wollten zusammen zu einem Regenbogenevent aufbrechen und es hieß: Impfausweis mitnehmen. Ich habe diese Impfgeschichte zwar digital vorliegen, aber wie das so ist auf dem Land: was der Bauer… Und wie das dann so ist… „Ach, das hätte ich ja nicht gedacht…“
Nun hat sie den Namen nicht ausgesprochen, was wiederum viel über sie erzählt.

Zwangsouting kann recht unangenehme Folgen für die betroffenen Menschen haben. Wenn Ihr von jemanden wisst, und jene:r hat es noch nicht preisgegeben, vielleicht nur im Vertrauen Euch, dann behaltet es auch für Euch. Und wenn Ihr es nicht wisst, ob oder ob nicht, oder mutmaßt, einfach Füße stillhalten.

Nur die betroffene Person entscheidet, wann, wo und vor wem sie sich outet.

 

Alltagstest

Beim Alltagstest soll die transidente Person erproben, wie es ist, in der angestrebten Geschlechtsrolle, also dem selbst empfundenen Geschlecht, in allen Lebensbereichen vollzeitig zu leben. Dies ist je nach Ausgangssituation und Umfeld eine große Herausforderung, bei der Hilfsmittel eine große Erleichterung bringen können.

Das ist eine Forderung des „Medizinischen Dienstes des Spitzenverbands der Krankenkassen“ (MDS).
Ich habe beim sogenannten Alltagstest nie einen Rock angehabt, nie eine Perücke getragen, keine Silikonbrüste oder ähnliches verwendet, um eine weibliche Brust anzudeuten. Ich bin naturtrüb durch die Transition gegangen. wink Meine Transidentität war und bin ich. Es hat auch nie jemanden gestört. Auch niemanden bei meiner Krankenkasse, wo ich öfters vorgesprochen habe (Kostenübernahme etc.).

Einzig einem lieben Mitmenschen in Offenbach musste ich auf die Sprünge helfen, als er anmerkte: „Sehe ich nicht in dir. Du hast keinen Rock an.“ Ich ging ans Fenster, deutete auf die Straße und fragte ihn: „Wie viele Frauen siehst du mit einem Rock?“

Merke: Eine Hasenpfote in der Hosentasche macht noch keinen Mann, alte Socken im BH noch keine Frau. Seid einfach so wie Ihr sein wollt, lebt das, was in Euch aufblüht und lasst es zu. smile

Fazit

TRANS*LATE gibt viele Tipps, die aber oftmals nur ein Thema anreißen können, da es zu komplex ist. Sie zeigen Euch aber die Möglichkeiten auf, die für Euch bestehen. Und das Ganze gibt es für umsonst als pdf. Cool, ne?
Und falls Fragen offen sind, nicht ganz geklärt werden, die Beratungsstellen helfen Euch dann gerne weiter.


Für Schulen und andere gibt es Trans*Late als gedruckte Ausgabe ab einer Mindestbestellmenge von 10 Stück für 2 Euro Schutzgebühr pro Exemplar, zzgl. Versandkosten. Einzelne Exemplare können leider nicht versendet werden.

TRANS*LATE
Eine Broschüre zu TRANSIDENTITÄT (pdf) (von Moritz Dreßen)
Fachstelle für Sexualität und Gesundheit – AIDSHILFE MÜNSTER E.V.
Schaumburgstraße 11 · 48145 Münster

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